Anschreiben an Ratsmitglieder mit der Bitte, die Planungen einzustellen

Moratorium weiterer Planungen auf der Ost-West-Achse!

 

 

An die Ratsmitglieder der Stadt Köln Bündnis Verkehrswende Köln - oben bleiben Kölle

 

 

 

 

 

 

 

Datum 16.08.2026

 

Sehr geehrte Ratsmitglieder,

wir wenden uns an Sie mit der dringenden Bitte, sich für ein Moratorium weiterer Planungen auf der Ost-West-Achse für einen Tunnel oder den Einsatz von 90-m-Bahnen einzusetzen.

Aus den Reihen von CDU, VOLT sowie FDP wurde bereits auf öffentlichen Veranstaltungen signalisiert, dass der Tunnel auf der Ost-West-Achse ohnehin nicht kommt.

Am 03. April 2025 hat der Rat der Stadt Köln die Verwaltungsvorlage 1037/2024 beschlossen. Diese beinhaltet eine Tunnellösung vom Heumarkt bis Moltkestraße sowie unter dem Mauritiusviertel hindurch. Da diese Tunnelvariante selbst den Tunnel-Befürworter:innen im Rat nicht mehr zusagt, wurde darüber hinaus ein insgesamt ca. 7,4 Kilometer langer Tunnel beschlossen, der auch unter dem Rhein verlaufen soll (AN/0330/2025; AN/0332/2025; AN/0333/2025). Daraus folgen zahlreiche sowie grundlegende Änderungsaufträge am bis dato geplanten kürzeren Tunnel.

Die Verwaltung stellte bereits fest (in der Anlage 27 zum „Politischen Variantenentscheid für die Kapazitätserweiterung auf der Ost-West-Achse erweitert um das Beratungsergebnis des Verkehrsausschuss vom 10.12.24 zu AN/1743/2024)“, dass der Ansatz weit über die eigentliche Vorlage für die Innenstadt hinausgeht und daher als neues gesamtstädtisches Projekt zu betrachten sei, sowie eine jahrelange Prüf- und Planungszeit nach sich ziehe. Darüber hinaus könne eine (oberirdische) Interimslösung für die Innenstadt erst dann geplant werden, wenn die finale Tunnellösung feststeht (Vorlagen-Nr. 3550/2025).

Zwischenzeitlich hat sich die damals schon angespannte Haushaltslage zugespitzt. Es wurde ein Ergebnissicherungskonzept des Stadtwerkekonzerns beschlossen, das als zentrales KVB-Projekt im sog. Basisszenario vorrangig die Ertüchtigung der Ost-West-Achse mit Tunnel beinhaltet.

Aber wie soll diese nun erfolgen?

Eine oberirdische Stadtbahnlinie zwischen Sülz und dem rechtsrheinischen Stadtgebiet ist aufgrund von Platzproblemen neben der geplanten Tunnelrampe am Heumarkt nicht möglich. Sollte der Rheintunnel nicht kommen, wäre eine oberirdische Durchbindung nicht möglich (Anlage 39 ,Zum politischen Variantenentscheid…).
Es ist mehr als fraglich – eher unwahrscheinlich – dass sich die Variante mit dem Rheintunnel überhaupt „rechnen“ lässt. Selbst wenn es diese unwahrscheinliche Förderung gäbe, hätte die Stadt Köln nicht das Geld, ihren Eigenanteil zu leisten (Eigenanteil Nord-Süd-Bahn bisher mehr als 1,1 Mrd. € ohne die Kosten des Stadtarchiv-Einsturzes).
Sämtliche Kosten bis zur Inbetriebnahme durch die KVB fallen im städtischen Haushalt an: Planungskosten ebenso wie Baukosten. Viele Personalressourcen werden gebunden. Für kleinere, preiswerte, effektive und unstrittige Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV bleibt nichts übrig, z.B. für die Verlängerung der Linie 13 bis zum Rhein.

Aber auch die oberirdische Lösung mit Langzügen für die Ost-West-Achse kostet bei derzeitigem Stand mindestens 600 Mio. Euro und erfordert den Ausbau von 34 Haltestellen. Die Kapazität auf der Ost-West-Achse würde dadurch jedoch nur geringfügig erweitert, lediglich auf der Linie 1.

Daher bitten wir Sie eindringlich, auch vor dem Hintergrund der Haushaltskrise, ein Moratorium für die Planungen auf der Ost-West-Achse in Betracht zu ziehen. Somit würden zumindest weitere Kosten vermieden.
Des Weiteren sind wir irritiert, dass das politische Begleitgremium sowie die begleitenden Informationsveranstaltungen für die Zivilgesellschaft, zu der das Verkehrsdezernat Anfang Juli eingeladen hatte, um z.B. auch die Haltestelle Heumarkt zu besprechen, in letzter Minute abgesagt wurde. Dies ist mehr als intransparent. Wir bitten Sie daher auch um die Einforderung der Begleitgremien zur Ost-West-Achse (politisch sowie fachlich). Der Rat der Stadt Köln sowie die Zivilgesellschaft haben doch ein Recht zu erfahren, wie der Planungsstand zurzeit ist und wie es weitergehen soll.

Freundliche Grüße
Barbara Kleine
für das Bündnis Verkehrswende Köln